Ein Abend mit Paul Gauguin und Jacques Brel
„Flucht ins Paradies“

Kenne ich Die Beiden, von denen da die Rede ist?“
Tatsächlich – da spricht, singt spielt jemand doch von und mit mir und nimmt das Publikum gefangen..So soll es sein und so schaffen es auch die beiden Profis da vorne auf der kleinen Bühne im „Theater im Hof, Köln am Do. 31.05.12.
Wir sind gefangen von den starken Worten, den immer noch… (oder leider schon wieder? ) hoch aktuellen und kritischen Themen, die auch uns im „hier und jetzt“ bisweilen erschrecken und betroffen machen – ja, es ist von den Zuständen auch unserer Zeit die Rede.Wenn ich im Verlauf der Aufführung zwischendurch mit meiner Nachbarin Blicke tausche und die Stimmung im Raum in mir aufnehme spüre ich: Wir sind fasziniert , ja gebannt und verfolgen, was sich da auf der Bühne tut.

Die Aussagen – gleich , ob es die mit unglaublicher Energie und Brillanz vorgetragenen Chansons von Jaques Brel sind oder ob der Künstler Hartmut Schulz die Lebenserinnerungen von Gauguin zitiert und über dessen (rund hundert Jahre vorher entstandenen) Gedichten und Erzählungen zu uns spricht. Faszinierend ist eben gerade, im Laufe des Abends die Parallelität zu erfassen, wenn Gedankenwelten, Ansichten und schließlich auch das Leben der beiden Kreativen sich „im Paradies“ treffen.
Ja , wir sind fasziniert und berührt – die Qualität der musikalisch – szenischen Revue nimmt uns mit, die Chansons „haben es in sich“ (nicht nur was die Aussage) sondern natürlich auch die musikalische Qualität betrifft.
Hartmut Schulz , der als Bariton auch außerordentlich schwierige Gesangspassagen meisterlich, gestenreich und mit vollem Engagement ( „er ist einfach IM THEMA“) vorträgt und Andreas Orwat, der die starken Brel- Chansons mit einem hochklassigen Pianospiel unterstützt .
Orwat liefert seinem „Frontmann“ zum einen dezent und ausgewogen das musikalische Fundament, und trägt damit den Gesang – genauso aber versteht er es, uns in den Gesangspausen, wenn wir notwendige Zeit brauchen, um die – heute wie damals – zeitkritischen Inhalte zu verdauen, mitzunehmen in die phantasievollen und paradiesischen Welten des Paul Gauguin. Dann werten die zauberhaften Klänge des Pianos das gesehene und eben gehörte nochmals auf und seine excelenten Soli helfen uns, kurzzeitig mit den Künstlern die kleinen Fluchten zu begleiten.

Bei Hartmut Schulz und Andreas Orwat geht hochklassig – aber auch ein wenig puristisch – zu Werke. Und das ist wohltuend (unterstützt die historische Rückbetrachtung) und damit genau gut so.
Kein „großes Schnickschnack“ – nein: etwas Bühnenlicht, ein wenig Deko – nicht einmal eine üppige Gesangstechnik steht für die beiden Profis zur Verfügung – denn das EIGENTLICHE – die Musik und der Text stehen im Focus. Wohltuend ist es , dass Schulz seine Vorträge über Gauuin mit den wunderschönen und fast versöhnlich stimmenden Bildern des Künstlers „aus dem Paradies“, die als Dias passend zur jeweiligen Thematik eingeblendet werden, optisch unterstützt. So werden Zusammenhänge klar – man versteht, was die Beiden , Jaques Brel, den Chansonier und Paul Gauguin, den Künstler – hier eben nicht „als Zeitgenossen“ sondern man könnte sagen zeitweise auch „als Leidensgenossen“ verband. Denn als aufmerksame und kritische Beobachter der Zustände in der Gesellschaft waren beide von einer ungeheuren Wachheit und Sensibilität, die sich eben parallel in unterschiedlichen Formen der Kreativität entlud. Beide fühlten sich schließlich auch zur „Flucht ins (auch nur vermeintlich seligmachende) Paradies getrieben.

So spüren wir als Zuschauer im Raum – und jetzt schließt sich der Kreis – dass die beiden außerordentlich engagierten und professionellen Künstler , die im „hier und jetzt“ da oben auf der Bühne agieren eben ganz dringlich und – man möchte sagen – zwingend mit den Beiden Kreativen von damals zu tun haben. Sie scheinen mit Ihren Rollen verwoben zu sein scheinen, denn die Themen, die Gauguin oder Brel vor über 150 Jahren oder vor rund 50 Jahren bewegten sind auch heute – mehr denn je – genauso aktuell, genauso prägend für unsere Gesellschaft.
Wenn ich mich nach der Vorstellung mit Besuchern unterhalte stellen wir fest: „Es sind eben auch heute unsere (immer noch nicht bewältigen) Themen“ Fast ein wenig ist das Gefühl der Solidarität mit diesen Künstlerseelen auch tröstlich für uns. Denn auch wir stehen bisweilen vor den „gesellschaftlichen Zuständen“ genauso betroffen und zornig, häufig auch rat- oder mutlos. Und auch wir suchen eben genauso unsere eignen kleinen Fluchten in kleine oder größere jeweilige Paradiese.
Der Abend in Köln war ein wenig Flucht vor dem Alltag – gleichzeitig Begegnung mit alten Bekannten – mit Themen, die mir etwas bedeuten – vor allem aber mit zwei hervorragenden Künstlern, die mich ein Stück in die Welt von Paul Gauguin und Jaquels Brel begleiten konnten.

Absolut empfehlenswert.


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